Geschichtliches

Zum Ende des 19. Jahrhunderts blühte der Bergbau in Bad Ems, bedingt durch die rasante Entwicklung der Technik. Mit zunehmender Tiefe der Schachtanlagen verringerte sich die Schüttung der Heilquellen in dramatischer Weise. Es entstand der so genannte "Quellenstreit" zwischen den Betreibern der Bad Emser Erzgruben und der staatlichen Bäderverwaltung. Mit Erschließung der Grubenanlagen über die 8. Tiefbausohle hinaus sah sich die Bäderdirektion gezwungen, nach neuen Quellen zu suchen. Im Jahre 1937 entschloss man sich, die Bohrung III an der Mainzer Straße einzurichten. 1939 wurde der Bohrturm hierzu erbaut und mit der Bohrung begonnen. In einer Tiefe von ca. 400 Metern erbohrte man die erwarteten Thermalwässer, die seither mittels Pumpe zu Tage gefördert und genutzt werden.

 

Mit dem Ende des Emser Bergbaus im Jahre 1945 sprudelten ab ca. 1948 auch die ursprünglichen Quellen der Stadt wieder ergiebiger, sodass die Wässer der Bohrung III anderweitig Verwendung finden konnten. Sie dienten fortan zur Speisung des "Emser Haustrunks" und zur Beheizung des Kurmittelhauses. Die Nutzung als Brauchwasser für Heizzwecke ist längst nicht mehr gegeben - die Wärmetauscher im Kurmittelhaus wurden demontiert. Heute wird ausschließlich der "Haustrunk" aus den Wässern der Bohrung III gespeist.

 

Der Bohrturm wurde grundsätzlich nicht mehr benötigt. Er verfiel mehr und mehr und sollte nach dem Bestreben der Staatsbad Bad Ems GmbH abgebrochen werden, da die Pflege der quellentechnischen Einrichtungen in heutiger Zeit mit besseren technischen Mitteln effektiver und damit kostengünstiger zu gewährleisten ist. Bemühungen, den Turm und seine Nebengebäude zu retten, waren bei einem ersten Versuch vor einigen Jahren gescheitert.

 

Im Jahre 2003 wurden der Bohrturm und die dazu gehörigen Nebengebäude als einzig in Deutschland in absolutem Originalzustand erhaltenes Bauwerk dieser Art unter Denkmalschutz gestellt. Die Staatsbad Bad Ems GmbH stellte im Februar 2010 einen Antrag zum Abbruch des Turmes und der dazugehörigen Nebengebäude. Der Abbruch der Anlage konnte letztendlich durch die Gründung unseres Fördervereins verhindert werden.

Der Bohrturm während der Quellenbohrphase

Heute steht an dieser Stelle ein modernes Produktionsgebäude der Fa. Siemens zur Herstellung der Bad Emser Pastillen. Der Bohrturm mit den Nebengebäuden. Im Hintergrund die ehemalige Versandhalle.

Während der Bohrzeit stand an dem Bohrturm in Richtung Lahn ein Werkstatt- und Maschinengebäude. Die heute nicht mehr benötigten Antriebe zum Bohrbetrieb, Einrichtungen zur Reparatur der Anlagen und  Sozialräume waren hier untergebracht. Der Turmkopf war ein kleiner Arbeitsraum mit Tonnendach, der vor allem Wetterschutzaufgaben hatte. Die Außenplattformen existierten nicht, da alle Arbeitsplätze im Turminneren waren. Die Einrichtung zum Ziehen der Rohre, bestehend aus Oberflasche, Unterflasche, Drahtseil und elektrisch angetriebenem Haspel, ist heute noch die der Bohrzeit.

Der Bohrturm in heutiger Funktion

Der ehemalige Bohrturm hat heute zwei Funktionen:

 

- Er ist zum Einen das Schutzgebäude für die unter ihm gefasste Heilquelle  und die vorhandene Fördertechnik. Wenn Sie den Bad Emser Haustrunk geniessen, trinken Sie Wasser, das hier gefördert wird.

- Er dient weiterhin der Wartung der Wasserfördereinrichtung. Die an einem Rohr befestigte Förderpumpe muss aus 130 m Tiefe zu Wartungszwecken ans Tageslicht geholt werden. Das Gestänge wird wie bei Bohrtätigkeiten gezogen und im Turm abgestellt. Nach der Pumpenwartung wird die Pumpe wieder an den Rohren an ihre Arbeitsposition abgelassen. Das ist keine leichte Arbeit, da zum Trennen und Verbinden der Rohre nur Muskelkraft eingesetzt werden kann.

Aktuelle Downloads

Aktuelle Satzung vom 16.08.2010
Satzung Bad Emser Bohrturm.pdf
PDF-Dokument [86.2 KB]
Beitrittserklärung
Beitrittserklärung 2013.pdf
PDF-Dokument [169.2 KB]